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Genossenschaftsverband Bayern

Energiegenossenschaften
treiben Energiewende voran
Nur durch eine dezentrale, regionale Energieerzeugung
kann der Wandel zu einer CO2-freien Zukunft gelingen

München (ots|wro) - Bis zum Jahr 2045 will die Bundesrepublik zu einem klimaneutralen Land werden. Dieses ehrgeizige Ziel erfordert auch im Bereich der Energieproduktion neue Wege. "Energiegenossenschaften leisten einen wichtigen Beitrag dazu, den Wandel zur Klimaneutralität zu gestalten", sagte Alexander Büchel, Mitglied des Vorstands des Genossenschafts-
verbands Bayern (GVB), anlässlich des Internationalen Tags der Genossenschaften am Samstag (3. Juli) in München. Aller-
dings gebe es auch politische Entscheidungen, die den Energiegenossenschaften im Wege stünden.

es ihnen erlauben, diesen Strom auch weiter wirtschaftlich zu erzeugen und damit die Energiewende zu unterstützen", gab Büchel zu bedenken.

Bei der genossenschaftlichen, regionalen Energieversorgung wird die Versorgung der eigenen Mitglieder mit Energie nach wie vor benachteiligt. "Das ergibt keinen Sinn und muss ge-
ändert werden", sagte Büchel. Nach EU-Recht hätte Deutsch-
land bis Ende Juni sicherstellen müssen, dass ein Energy Sha-
ring diskriminierungsfrei möglich ist. Hierzu ist ein Wegfall der EEG-Umlage und der Stromsteuer für Mitglieder einer Erneu-
erbare-Energien-Gemeinschaft nötig. "Dies muss in der neuen Legislaturperiode zügig umgesetzt werden", forderte Büchel.

Doch auch bürokratische Auflagen erweisen sich immer wie-
der als problematisch für den gewünschten und erforderli-
chen Ausbau erneuerbarer Energien. Feste Abstandsregeln behindern beispielsweise häufig den Bau neuer Windener-
gieanlagen. Dabei sind bestehende Regelungen zum Beispiel zur Lärmemission der Anlagen oder zum Schattenwurf ohne-
hin einzuhalten. Zusätzlich erschweren unklar definierte Na-
turschutzauflagen den Bau von Windenergie- und Wasser-
kraftanlagen. "Solche Hemmnisse gilt es, durch praxistaugli-
che Regelungen und im Einvernehmen vor Ort zu ersetzen", betonte Büchel.

Wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit

"Die genossenschaftliche Idee wurde in Zeiten des Umbruchs und der Unsicherheit geboren. Seither haben Genossenschaf-
ten dabei geholfen, Probleme zu lösen und dort gemein-
schaftlich gehandelt, wo der Staat oder andere Akteure nicht aktiv wurden. Am Beispiel der Energiegenossenschaften zeigt sich, dass Genossenschaften nach wie vor diese Rolle über-
nehmen und als Problemlöser und Innovationstreiber fungieren", sagte Büchel.

Aufgrund ihres von Gemeinsinn geprägten Ansatzes eignen sich Genossenschaften besonders gut dazu, den Wandel der Energieversorgung mitzutragen. "Nachhaltigkeit liegt in der genossenschaftlichen DNA. Durch aktive Bürgerbeteiligung fördern Energiegenossenschaften die Akzeptanz für die Energiewende und den Ausbau erneuerbarer Energien", erklärte Büchel.

In einer Genossenschaft bestimmen die Mitglieder gleichbe-
rechtigt über die Geschicke mit. "Dieser urdemokratische An-
satz ist ideal dazu geeignet, bei lokalen Energieprojekten In-
teressen auszugleichen und neue Wege zu finden, die andern-
falls verschlossen blieben", ergänzte Büchel.

Der Genossenschaftsverband Bayern e.V. (GVB) vertritt seit mehr als 125 Jahren die Interessen bayerischer Genossenschaften. Zu seinen 1.181 Mitgliedern zählen 222 Volksbanken und Raiffeisen-
banken sowie 959 Unternehmen aus Branchen wie Landwirt-
schaft, Energie, Handel, Handwerk und Dienstleistungen. Sie bilden mit rund 50.000 Beschäftigten und 2,9 Millionen Anteils-
eignern eine der größten mittelständischen Wirtschaftsor-
ganisationen im Freistaat (Stand: 31.12.2020).

.
"Energiegenossenschaften treiben die Energiewende de-
zentral voran. Mit 102 Photovoltaikgenossenschaften in Bayern, drei Betreibern von Windenergieanlagen, 86 Be-
treibern von Nahwärmenetzen und 21 Biogasgenossen-
schaften machen sie ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit vor Ort sichtbar", betonte Büchel. Hinzu kommen 32 genossenschaftliche Energieversorgungs-
unternehmen. Einige von ihnen beliefern ihre Kunden seit mehr als 100 Jahren über eigene Netze mit Strom, den sie zum Teil mit eigenen Wasserkraftwerken erzeugen.

Bei einem Gesamtumsatz in Höhe von 339,9 Millionen Euro (2020) und einem Gesamtergebnis in Höhe von 29,1 Millio-
nen Euro halten die bayerischen Energiegenossenschaften die Wertschöpfung in der Region und fördern dadurch auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das bewiesen die 36.940 Mitglieder und 370 Beschäftigte der Energie-
genossenschaften in Bayern.

Gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen

Allerdings beklagte Büchel eine Vielzahl von politischen und regulatorischen Hürden, die den zumeist vergleichs-
weise kleinen Energiegenossenschaften das Wirtschaften schwer machen. "Es ist an der Zeit, den Wert dezentraler und regionaler Energieerzeugung und -versorgung zu er-
kennen, zu fördern und ihr gleiche Wettbewerbschancen einzuräumen wie Großproduzenten", mahnte Büchel.

So ist es zum Beispiel notwendig, die Netzkapazitäten zu erweitern, um den weiteren Ausbau erneuerbarer Ener-
gien verlässlich zu gewährleisten. Da der Umbau des Energiesystems eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, darf dies nicht zulasten der Anlagen- oder der Netzbe-
treiber geschehen. Für viele erneuerbare-Energien-Anla-
gen ist die Teilnahme an Ausschreibungen vorgesehen, um eine EEG-Vergütung zu erhalten. Die dazu nötigen Voraus-
setzungen bevorzugen größere Anbieter. An kleinere Mit-
bewerber stellen sie unzumutbar hohe Anforderungen, verbunden mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken. "Es ist dringend geboten, die Wettbewerbschancen für kleine Anbieter erneuerbarer Energien zu erhöhen und die Anforderungen zu vereinfachen", forderte Büchel.

Notwendig ist auch eine Angleichung von Netzentgelten in Stadt und Land. Ein Großteil der erneuerbaren Energien wird im ländlichen Raum erzeugt. "Unterschiedliche Netz-
entgelte in städtischen und ländlichen Regionen benach-
teiligen ländliche Anbieter. Dieses Ungleichgewicht muss dringend beendet werden", ergänzte Büchel.

Perspektive für ausgeförderte Anlagen schaffen

Als problematisch stellt sich darüber hinaus die Möglich-
keit zur Nutzung ausgeförderter Anlagen dar. "Diese An-
lagen produzieren weiterhin klimaneutralen, sauberen Strom. Die Betreiber brauchen Rahmenbedingungen, die

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